150 Jahre Franziskaner in Marienthal

Am Abend des 14. August fand nun der offizielle Festakt zum Jubiläum auf dem Pilgerplatz des Klosters statt. Zur Begrüßung zitierte der Guardian, P. Paul Waldmüller, zwei Textstellen aus dem Geleitworten unseres Provinzialministers, P. Markus Fuhrmann und unseres Bischofs Dr. Georg Bätzing, die Marienthal am treffendsten beschreiben. Hier ein kurzer Auszug aus der Begrüßungsrede:

„Großer Gott, wir loben dich“ Nach 150 Jahren Franziskaner in Marienthal haben wir wirklich Grund, Gott zu danken, zu loben und preisen. Zu diesem Lob Gottes sind wir jetzt beisammen und ich möchte euch, liebe Gäste aus nah und fern, ganz herzlich begrüßen, die Sie den Weg nach Marienthal gefunden haben, um mit uns, dem Konvent der Franziskaner, hier am Gnadenort Mariens an dieser Feierstunde teilzunehmen. …

 

Zitate aus den Geleitworten zur Festschrift

P. Markus Fuhrmann (Provinzialminister):
Aus Afrika stammt die Redensart: „ Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“
— Wo gibt es heute diese „ Dörfer“, wo gibt es Orte, die mir helfen zu wachsen, die mir Orientierung, Kraft und Hoffnung schenken?
Nicht nur Kinder brauchen solche Orte. Und wo sind die Menschen, die solche Wachstumsorte mit Leben erfüllen? […]
Im Laufe der Jahrhunderte prägten ganz unterschiedliche Seelsorger diesen Marien-Wallfahrtsort: Weltpriester, Kogelherren, Augustiner-Chorherren, Jesuiten und schließlich, seit 1873, also seit 150 Jahren, wir Franziskaner.
Franziskaner sein bedeutet Bruder sein, also verbunden, mit den Menschen vor Ort zu leben, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen – besonders den „kleinen Leuten“, den Notleidenden und Ausgegrenzten. Franziskanische Lebensart zeichnet sich aus durch Lebens- und Glaubensfreude. Sie ist geprägt von der Hoffnung, die erwächst aus der Liebe des menschgewordenen Gottes. Und das spüren die Menschen, wenn sie nach Marienthal kommen. Hier fühlen Menschen sich willkommen und angenommen, so wie sie sind.

Bischof Dr. Georg Bätzing:
In Marienthal wird mir sehr deutlich, was ich an vielen Wallfahrtsorten erlebe:
Sie sind Kraftorte — Orte des Trostes und des Glaubens. Das zeigen die vielen Schilder, die hier zu finden sind. „Maria hat geholfen“, ist dort zu lesen.
Ja, wie viele Menschen konnten das an diesem Ort erfahren. Und wie gut tut es, etwas zu verweilen, gemeinsam zu singen und zu beten und die eigenen Sorgen der Fürsprache der Gottesmutter anzuvertrauen. Das schenkt neue Kraft, neuen Mut und Hoffnung.
Der heilige Franz von Assisi kennt diese Situationen, wenn die Kraft schwindet, selbst. Als er in Gefangenschaft gerät, entdeckt er seine Berufung. Und er sucht die verfallene Kapelle von San Damiano auf — heute selbst ein Kraftort, der Menschen anzieht — womit die Geschichte der franziskanischen Orden ihren Lauf nimmt. Daher passt es gut, dass es seit 150 Jahren Patres der franziskanischen Familie sind, die hier in Marienthal mit großem Einsatz für die Begleitung der Menschen Sorge tragen. Sie helfen den Menschen, hier Kraft zu finden. Sie sind da — mit Gebet, mit einem offenen Ohr und der franziskanischen Spiritualität.
So machen sie den Menschen das Gnadenbild zugänglich und eröffnen den Suchenden die Kraftquelle des Glaubens und des Vertrauens auf die Gottesmutter. Ihnen allen, die sich an diesem besonderen Ort engagieren, ein „ Vergelt’s Gott“, und für alle, die an diesem Kraftort zusammenkommen, bitte ich auf die Fürsprache Mariens um Gottes reichen Segen.

Nach der Begrüßung führte Dr. Christopher Klein (Organist und Autor der Festschrift) durch das Programm. Den musikalischen Rahmen bildeten das Vokalensemble „Rheingauer Klangfreu(n)de“, sowie Theo Ruppert (Violine) und Christopher Klein.
Dabei kam das alte Wallfahrtslied der Jesuiten, die von 1612 bis 1773 den Wallfahrtsort betreut hatten, zu Gehör. Es stammt von 1628 und trägt den Titel „Von unser lieben Frawen zu Mariäthal im Rhingaw“.

Die anschließende Festrede hielt unser Mitbruder P. Dr. Cornelius Bohl, der schon 1982 als Postulant in Marienthal geweilt hatte. Darauf folgten zwei Musikstücke mit Texten des hl. Franziskus. Die Festschrift stellte der Chefredakteur des „Rheingau Echo“, Michael Gamisch, vor. Er war wie der Autor, Dr. Christopher Klein, früher selbst Ministrant am Ort und war für das Layout des Buches verantwortlich. Weitere Reden bzw. Grußworte kamen von Pfarrer Markus Fischer als Vertreter der Rheingauer Pfarreien sowie von Christian Aßmann, Bürgermeister von Geisenheim. Beim anschließenden Umtrunk fand man sich bei Sekt und Spundekäs’ zum Gespräch zusammen.

 

Am 1. Mai 1873 begannen die Franziskaner ihre Tätigkeit unter nicht gerade einfachen Bedingungen. Der Kulturkampf, zwei Weltkriege und manch andere Herausforderung mussten bis heute bewältigt werden. Der etwas abgelegene Gnadenort mit seiner über 700-jährigen Geschichte ist Stätte des Gebetes, des Bittens, des Dankens und des Friedens, und gleichzeitig ist er doch auch mitten im Leben der Menschen.
All das wurde in dieser reich bebilderten Dokumentation zum Jubiläum aufgegriffen und beschrieben. Erstmals veröffentlichte Texte und Bilder geben interessante und spannende Einblicke in den Alltag des Klosters und seiner Bewohner, den Brüdern des hl. Franziskus.
Dr. Christopher Klein, seit fünfzig Jahren Organist an der Klosterkirche, wurde als „Dienstältester vor Ort“ vom Konvent der Franziskaner gebeten, das vorliegende Buch zu verfassen. Es beschreibt ein Stück Kirchengeschichte, ein Stück Geschichte des Ordens der Deutschen Franziskaner und nicht zuletzt ein Stück Rheingauer Geschichte.

Bild: Christa Kaddar

 

Die Festschrift „150 Jahre Franziskaner in Kloster Marienthal“ ist vor Ort gegen eine Spende von € 15.- zu erhalten. Sie ist auch schriftlich zu bestellen und kostet dann inkl. Versand € 20.-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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